Text


Wie Duschen Eisbären rettet

Wer beim Duschen zusehen kann, wie einem Eisbären das Eis unter den Pfoten wegschmilzt, duscht kürzer. Eine Studie der ETH Zürich zeigt, wie Eisbären auf der Anzeige eines Messgerätes dazu motivieren, deutlich weniger Energie zu verbrauchen.

Fünf Minuten warm duschen, braucht drei Deziliter Heizöl. Quelle: amazonaws.com

Vielen Leuten ist nicht bewusst, wie viel Energie Warmwasser benötigt. Gemäss dem Bundesamt für Umwelt ist einer der grössten Energieverbraucher im Haushalt die Dusche. Um im Alltag weniger Energie zu verbrauchen, ist ein sparsamer Umgang mit Warmwasser wichtig.

Moderne Stromzähler wie Smart Meter messen den Energieverbrauch des ganzen Haushaltes und senden diese Information an den Energieversorger. Der Smart Meter gibt den Bewohnern des Haushaltes aber weder Rückmeldungen zum aktuellen Verbrauch noch zum Energieverbrauch einzelner Geräte.

Anreiz zum Sparen schaffen

Reine Verbrauchsanzeigen haben ein grosses Problem, wenn sie zum Energiesparen animieren sollen: Sie geben dem Nutzer keinen direkten Anreiz, Energie zu sparen. Das ETH-Spin-Off Amphiro AG hat deshalb die Verbrauchsanzeigen amphiro a1 und amphiro b1 entwickelt, die nicht nur den Energie- und Wasserverbrauch beim Duschen anzeigt, sondern auch eine symbolische Auswirkung, die dieser Verbrauch haben kann. Während des Duschens wird angezeigt, wie eine Eisscholle unter den Pfoten eines Eisbären wegschmilzt. Je wärmer das Wasser, desto schneller ist das Eis weg und der Eisbär plumpst ins Wasser. Danach sieht der Duschende auf der Anzeige des Gerätes nur noch kleine Wellen.

Wer den Eisbär retten will, muss entweder kürzer duschen oder die Wassertemperatur senken. Quelle: smart-home-geraete.de

Dass der Einsatz dieses Gerätes effektiv Auswirkungen auf den Energieverbrauch hat, zeigt nun eine Studie von Forschern der ETH Zürich und der Universitäten Bonn, Bamberg und St. Gallen. Das Forschungsteam hat in sechs Hotels in den Duschen der Gäste Messgeräte installiert. Sie haben bei rund 19’600 Duschgängen Energie- und Wasserverbrauch, Temperatur und Durchflussmenge gemessen und gespeichert. Zufällig wurde zugeteilt, welche Gäste nur die Wassertemperatur und welche die Anzeige des Eisbären auf der Eisscholle, zusammen mit Energie- und Wasserverbrauch, sahen.

a Das Messgerät wird unterhalb der Brause am Duschschlauch montiert. b Die Anzeigen der Testgruppe zeigen Wassertemperatur und Verbrauch von Wasser oder Energie in Echtzeit an. c Die Anzeigen der Kontrollgruppe bilden nur die Wassertemperatur ab. Quelle: nature.com

Die Hotelgäste wurden weder über den Zweck der Messgeräte informiert, noch wurde ihnen ein zusätzlicher Anreiz zum Energiesparen geboten, zum Beispiel durch einen Preisnachlass. Dadurch wollten die Wissenschaftler verhindern, dass die Testpersonen von zusätzlichen Faktoren beeinflusst werden. Die Hotelgäste entschieden also ohne äusseren Einfluss, ob sie dem Gerät Beachtung schenken und wie warm, mit wie viel Wasserdruck und wie lange sie duschen.

Elf Prozent Energie eingespart

Die Auswirkungen der Echtzeit-Information seien beachtlich, sagt ETH-Forschungsleiterin vom Bits to Energy Lab Verena Tiefenbeck. «Die meisten sind geschockt, wie viel Wasser sie pro Dusche verbrauchen.» Über elf Prozent Energie für die Warmwasserproduktion konnten die Hotels während der Studie einsparen. Im Schnitt haben die Hotelgäste 215 Wattstunden pro Duschgang weniger verbraucht. Zum Vergleich: Mit dieser Energie könnte ein iPhone X 20 Mal neu aufgeladen werden.

Junge duschen öfter

Bereits in einer vorangehenden Studie konnte Verena Tiefenbeck zeigen, dass Menschen im Alter von 20 bis 29 Jahren mehr als doppelt so viel Energie beim Duschen verbrauchen wie Menschen über 64. Zudem duschen junge Leute deutlich häufiger als ältere Generationen. Gleichzeitig wirkt sich aber auch der Einsatz des Amphiro-Gerätes bei den 20- bis 29-jährigen stärker aus. Sie sprechen also stärker auf die innovative Technologie an als ältere Menschen.

Die Installation der Verbrauchsanzeige ist ohne Werkzeug machbar. Das Gerät wird zwischen Schlauch und Duschkopf eingeschraubt. Danach läuft alles automatisch. Durch den eingebauten Generator produziert das Gerät den Strom für die Anzeige, sobald Wasser durchfliesst.

So einfach wird die Verbrauchsanzeige montiert. Quelle: proeco.ch

Wer seinen Energieverbrauch beim Duschen selber messen und die dazugehörige Handy-App testen will, kann die Amphiro-Verbrauchsanzeige im ETH-Store bestellen. https://www.eth-store.ch